Geschichte - Pfarrei Mariä Verkündigung zu Tegernheim

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Geschichte

Geschichtlicher Rückblick
Im Jahre 901 wird Tegernheim zum ersten Mal in einer Urkunde des Regensburger Abtbischofs Tuto (894-930) erwähnt, in der verschiedene Grundbesitzungen in unserer Gegend getauscht wurden. Eventuell wurde der Turm der heutigen Pfarrkirche bereits in dieser Zeit als Wehrturm gegen die umherziehenden Ungarn errichtet. Das durch die Fundamente rekonstruierbare romanische Langhaus reichte etwa bis zum heutigen Quergang. In spätgotischer Zeit wurde das Kirchenschiff auf 11 m Breite und 18 m Länge erweitert. Bei der Innenrenovierung 1972 stellte man fest, dass diese gotische Kirche mit Fresken ausgemalt war. Sie wiesen jedoch irreparable Schäden auf und wurden bis auf ein kleines Fresko („Verkündigungsengel") wieder übertüncht. In den Jahren 1953/54 ließ Pfarrer Joseph Schmid (1952-1968) die Kirche nach Westen erweitern, so dass sie nun 350 Sitzplätze fasst. In den Jahren 1972-1976 und 1992/93 wurden unter Pfarrer Franz Listl (1968-2001) umfangreiche Renovierungen in und an der Pfarrkirche durchgeführt. Besonders verwiesen sei auch auf die Anschaffung des Volksaltars 1975, die neue Orgel der Firma Kloss 1979 (überarbeitet 2009, Firma Schädler) und die Neufassung und Neuanbringung des Kreuzweges im Jahre 1995.

Im Schenkungsbuch des Stiftes Obermünster begegnet uns mit Gotfridus (1224-1241) der erste namentlich genannte Pfarrer des Ortes. Die Pfarrei wurde 1422 dem reichsunmittelbaren Damenstift Obermünster in Regensburg einverleibt. Seit der Säkularisation 1803 ist Tegernheim wieder eine eigenständige Pfarrei und gehört zum Dekanat Thumstauf (Donaustauf).

Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche barockisiert. Das Nordportal aber blieb gotisch. Im Zentrum des Rokoko-Hochaltars von 1773 befindet sich eine gotische Madonna aus der Zeit um 1420/30. Auf dem Hochaltartisch steht eine wertvolle gotische Apostelgruppe (Künstler unbekannt). Über dem Volksaltar ist an der Decke eine Madonna im Rosenkranz angebracht, ein hervorragendes Werk der Spätgotik. An der Nordwand finden wir eine spätgotische Kreuzigungsgruppe. Die Seitenaltäre stammen von 1791. Das linke Altarbild zeigt die heilige Anna, das rechte den heiligen Nikolaus. Aus dem Spätbarock stammt der Taufstein, die darauf stehende Figurengruppe der Taufe Christi ist aus dem Rokoko. Ebenfalls aus dem Rokoko stammt die Kanzel (1766). Recht ansprechend sind die Figuren des heiligen Urban mit der Weintraube über dem Nordeingang und des heiligen Sebastian an der Südseite. Das Deckengemälde „Mariä Verkündigung" wurde 1762 vom Prüfeninger Maler Otto Gebhard angebracht. Über der Empore fertigte der Maler Fritz Wurmdobler im Zuge der Kirchenerweiterung 1953/54 ein modernes Deckengemälde, in dessen Zentrum der heilige Erzengel Michael steht.
Schöne Grabplatten aus rotem Marmor finden wir an der Nordwand: Pfarrer Konrad Arthueber (+ 1476) und Pfarrer Johannes Staindl (+ 1585). Hingewiesen sei noch auf die Kreuzigungsgruppe unter der Empore, eine sehr lebendige Arbeit (1760). Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Glocke von 1474, die sogenannte „Wasserglocke".
Etwa 3.600 Katholiken wohnen derzeit in Tegernheim. Die Pfarrei ist in den letzten 30 Jahren stark angewachsen.

Erscheinungsbild
Das Erscheinungsbild der Chorturmkirche wird durch den im Kern romanischen Ostturm (28 Meter hoch) dominiert. Er dürfte im 10. Jahrhundert als Wehrturm errichtet worden sein. In den Obergeschossen ist er nur über der westlichen Hälfte des quadratischen Chores hochgeführt, während die Ostwand über einem großen Bogen auf den Gewölbescheiteln des Kreuzgratgewölbes im Presbyterium ruht. Er endet in einem pyramidenförmigen Dach mit drei Gauben für die Zifferblätter der Turmuhr. Im Norden ist die Sakristei als Annexbau an den Turm angefügt.
Im Inneren befindet sich ein gezogener Chor im kreuzgewölbten Erdgeschoß. Nach Westen schließt sich ein einschiffiger Saalraum an. Er ist durch rundbogige Fenster mit abgeschrägter Sohlbank in fünf Achsen gegliedert. Auf der Nordseite führt ein Vorbau mit rundbogiger Tür zwischen der zweiten und der etwas verschobenen dritten Fensterachse in die Kirche. Zwischen der dritten und der vierten Fensterachse verläuft die Baunaht von 1953. Die Westfassade mit Rundbogenportal weist nur zwei Fenster im Erdgeschoß auf. Das Langhaus hat eine Flachdecke mit einer umlaufenden Hohlkehle. Die moderne Empore im Westen ruht auf zwei Säulen.

Innenausstattung
Durch den kleinen Vorbau auf der Nordseite gelangt der Besucher in die Kirche, das Westportal ist nur an Sonntagen und zu besonderen Anlässen geöffnet. Der Türsturz des gotischen Portals ist mit einem Rankenband als Zier versehen, an den Kragsteinen sitzen Blattmasken. Im Bogenfeld darüber ein Tympanon mit Halbfigur des segnenden Christus Salvator mit einem Buch als Sinnbild der Heilslehre. Die Segenshand fehlt, die Gesichtszüge des Heilands, als Weltenrichter in strenger Frontalität dargestellt, haben sich aber erhalten. Die griechischen Buchstaben Alpha und Omega als Sinnbild der Ewigkeit flankieren das Hochrelief, das der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts angehören dürfte.  

Die Fresken:
Das flachgedeckte Langhaus erhielt nach den Kirchenrechnungen 1762 einen ,,WeisPodten", zuvor war nur ein wurmstichiger ,,Tabulat", ein Bretterboden, vorhanden. Das 1762 datierte Fresko an der mit einfachen Stuckrahmenfeldern gegliederten Decke zeigt die Verkündigung an Maria. Es wird als Auftrag des Damenstiftes Obermünster dem aus der Prüfeninger Malerwerkstatt Gebhard stammenden Otto Gebhard (1703-1773) zugeschrieben. Das längliche Bildfeld in geschweifter Form zeigt eine zum Himmel geöffnete Raumbühne. Über einer Brüstung, unter deren Konsole die Jahreszahl MDCCLXII zu lesen ist, führt eine Treppenanlage nach oben, hinter der ein nach oben offener Architekturprospekt mit Säulen, Fensteröffnungen und Nischen einen Tempel andeutet. An Stelle einer Kuppel, die als Abschluß zu erwarten wäre, öffnet sich der Himmel. Die zentrale Darstellung ist vor dieser Architektur angesiedelt. Maria kniet, im Alten Testament lesend, auf einem Betschemel. Von rechts naht auf einer Wolke der Erzengel Gabriel, von Putten begleitet. Er weist zum Himmel, wo vor der Weltkugel die Taube des Hl. Geistes schwebt und auf Maria Strahlen aussendet, in denen das Christuskind, von einem Strahlenkranz umgeben, herabschwebt. Darüber erscheint Gottvater. Die ganze Szenerie ist von Putten bevölkert. Vermutlich 1872 wurde die ganze Decke einschließlich der Hohlkehle im Stil des Neorokoko ornamental bemalt, dabei wurde auch das Deckenfresko übergangen, wie sich bei der Reinigung 1993 zeigte. Die Malereien zeigten Symbole der Lauretanischen Litanei und sind 1972 übertüncht worden. An der Stimwand des Langhauses über dem Chorbogen ist ein stark übermaltes Rokokogemälde erhalten, das auf das Verkündigungsbild Bezug nimmt. Auf Wolken schwebende Engel halten ein Schriftband ,,Angelus Domini nuntiavitMariae et concepit de SpirituSancto", in der Mitte das Marien-Monogramm.   

Über der neuen Empore entstand 1953 ein Deckenbild von Fritz Wurmdobler, das auf die Schutzengelbruderschaft Bezug nimmt, die in der Zeit der napoleonischen Kriegswirren 1796 unter Pfarrer Anton Röschmeier zum Schutz der Gemeinde gegründet wurde. Unter der zentral angelegten Darstellung des siegreichen Erzengels sind verschiedene Personen dargestellt, darunter Pfarrer Schmid, rechts Architekt Froschhammer und Wurmdobler selbst. Das umfangreiche Werk weist den 1915 in Regensburg-Reinhausen geborenen Künstler als Neoimpressionisten aus.

An der südlichen Langhauswand ist ein Fresko aus gotischer Zeit zu sehen, das einen Verkündigungsengel zeigt. Bei der Sanierung der Kirche 1970/71 kamen im ganzen Kirchenraum gotische Fresken zum Vorschein, ihr schlechter Erhaltungszustand erlaubte aber keine Rekonstruktion, so dass nur der kleine Ausschnitt als Beispiel erhalten wurde.

Der Choraltar:
Der viersäulige Rokokoaltar mit Muschelwerk und Baldachin ist in das Quadrat des Chores eingepasst. Der Kontrakt zu diesem Altar, der 1773 fertiggestellt war, wurde 1771 mit dem Schreiner Stefan Bergbichler von Donaustauf geschlossen, der Bildhauer Mathias Kaltenbacher und der Maler Friedrich Schuetner von Regensburg waren an den Arbeiten beteiligt. Im Mittelpunkt des Aufbaus steht das gotische Madonnenbild aus der Zeit um 1420/30, vermutlich im 19. Jahrhundert überarbeitet. Seitlich zwischen den korinthischen Säulen Joachim und Anna. Als weitere Assistenzfiguren erscheinen die Apostel Petrus und Paulus. Es ist fraglich, ob sie zur ursprünglichen Altarausstattung gehören. Möglicherweise gehörten sie zu einem Altar im Seelenhaus, der 1786 aufgerichtet wurde und nicht mehr existiert. Die Bildhauerarbeiten dazu fertigte der Maler und Bildhauer Simon Keill von Steinweg. Auf der Mensa ist eine bemerkenswerte Gruppe des lehrenden Christus mit zwölf Aposteln aufgestellt. Als ursprünglicher Aufstellungsort ist die Predella des gotischen Altars anzunehmen. Die Apostelfürsten Petrus und Paulus nehmen als Vertreter der Lehrautorität die Ehrenplätze neben Christus ein. Petrus zu seiner Rechten hält das offene Buch als Sinnbild des Evangeliums. Ein Vergleich mit Steinreliefs aus der 1945 ausgebombten Kirche des Reichsstifts Obermünster lässt eine Zuordnung zur Regensburger Lokalschule des ausgehenden 15. Jahrhunderts zu. Neben dem Choraltar, über der Tür zur Sakristei, ein Leinwandbild mit der Marter des hl. Erasmus, Bischof von Antiochia. Möglicherweise von Simon Keill, der 1787 für einige Bilder bezahlt wurde. Neben der Sakristeitür eine Sakramentsnische mit spätgotischer Einfassung.

Die Nebenaltäre:
1791 wurden die alten Nebenaltäre abgebrochen und neue errichtet. Die Schreinerarbeiten besorgte Kaspar Mayr, die Figuren und die Fassungen Andreas Simon Keil, Bildhauer in Steinweg. Die zweisäuligen Altäre mit vorgezogenen Säulen und hohem Auszug über dem Gesims gehören in ihrer Formensprache schon dem Klassizismus an. Als Maler der rundbogig ausgezogenen Altarblätter tritt der auch in den Kirchenrechnungen erwähnte Franz Kein (auch Keim) aus Regensburg in Erscheinung, der das St. Anna-Bild signiert hat: ,,Franz Kein pinx. 1791". Der linke, der hl. Anna geweihte Altar, zeigt über dem Tabernakel auf dem Altarblatt eine weit verbreitete Bildszene: Anna lehrt der jungen Maria das Lesen. Darüber am Hauptgesims eine Inschriftenkartusche. Seitlich der korinthischen Säulen stehen auf Volutenkonsolen die Altarfiguren, links die hl. Katharina mit dem Rad, rechts die hl. Barbara mit dem Turm und weiteren Attributen. Im Auszug die Taube des Hl. Geistes im Strahlenkranz, von Putten umgeben. Der rechte Altar ist dem hl. Nikolaus, Bischof von Myra, geweiht. Im Altarblatt ist dieser als Bischof in Pontifikalkleidung mit Pluviale und den drei Goldkugeln auf dem Evangelienbuch gekennzeichnet. Zu seinen Füßen ein Knabe mit dem Alphabet. Die im Hintergrund gezeigte Szene mit einem Schiff im Unwetter dürfte auf seine Bedeutung als Patron der Schiffer hinweisen. Die Seitenfiguren repräsentieren die hll. Sebastian und Leonhard. Im Auszug das Auge Gottes.

Die Kanzel ist ein schönes Werk des Rokoko von 1766 und stammt wie der Choraltar von Schreiner Stefan Bergbichler, farbig gefasst wurde sie 1769 von Franz Benno Perger, Maler in Regensburg. Am polygonalen Korb die Bilder der vier Evangelisten.

Der Volksaltar von 1975 wurde der alten Ausstattung angepasst. Der klassizistische Beichtstuhl unter der Empore stammt von 1786, dazu hat Pfarrer Johann Kuhn (1930-1952) 1936 einen Beichtstuhl im gleichen Stil angefertigt. Das Gestühl ist gänzlich neu.

Die Kirche ist reich mit Figuren ausgestattet: Über dem Nordportal innen eine spätgotische Figur des hl. Urban, in Süddeutschland seit dem Mittelalter als Patron der Winzer verehrt, dargestellt als Papst mit Tiara, Doppelkreuzstab und Weintraube. Ebenfalls vom Ende des 15. Jahrhunderts stammt die vor dem Chorbogen von der Decke herabhängende, sehr schöne Muttergottes im Rosenkranz. Zeitlich hierzu gehört auch die Kreuzigungsgruppe an der Nordwand des Langhauses. Zur Rokoko-Ausstattung gehören neben der schönen Taufgruppe auf dem barocken Taufstein die Figuren der hll. Nepomuk und Josef, sowie der Maria Immaculata an der Nordwand, die hll. Sebastian, Michael und Florian an der Südwand, außerdem das Vortragekreuz mit den Assistenzfiguren Maria und Johannes unter der Empore.

Der Kreuzweg mit 14 Stationen aus Terrakotta wurde 1889 von den Gebr. Preckel, Bildhauer in Stadtamhof, geliefert. Er trug einen grauen Ölanstrich und wurde 1995 wieder in der Originalfassung hergestellt und mit neuen Rahmen versehen.

Die Orgel befindet sich in der Mitte der 1953 anlässlich der Kirchenerweiterung neu angelegten Empore und besteht aus Prospekt, Orgelwerk und in die Emporenbrüstung eingebautem Rückpositiv. Das ursprüngliche Orgelwerk mit 8 Registem und einem Manual wurde 1878 von Ludwig Edenhofer aus Regen geschaffen. 1953 wurde die Orgel überholt und mit einem Freipfeifenprospekt versehen, da damals der neue Standort in der Südecke der Empore für das alte Gehäuse zu niedrig war. Der Orgelneubau von 1979 durch Hermann Kloss, Kelheim, stellte das Gehäuse in der alten Form wieder her. Das neue Orgelwerk wurde auf 15 Register mit zwei Manualen und Pedal erweitert. An der Emporenbrüstung beiderseits der Orgel neuzeitliche Reliefs von Willi Prix, Hengersberg.

Die Glocken:
Die große fis'-Glocke wiegt 16 Zentner und ist eine der ältesten Glocken des Bistums Regensburg. Sie trägt die Bezeichnung ,,avevirginis", der Inschrift unter der Krone ist die Jahreszahl 1474 zu entnehmen. Drei Glocken mussten 1942 abgeliefert werden. 1952 wurden drei neue Glocken durch die Gießerei Hamm in Regensburg hinzugegossen, um das Vierergeläut wieder zu vervollständigen. 1993 wurden der Glockenstuhl und die Läuteanlage durch die Firma Georg Rauscher aus Regensburg erneuert.

In der Kirche befinden sich zwei erwähnenswerte Grabplatten aus Rotmarmor, die ursprünglich beim Nikolausaltar verlegt waren und jetzt in der Nordwand vermauert sind. Das Epitaph mit der ganzfigurigen Darstellung erinnert an den 1473 verstorbenen Conrad Arthueb(er), der 1466 als Pfarrvikar in Tegernheim belegt ist, das halbfigurige Relief auf dem zweiten Grabstein stellt den 1585 verstorbenen Johannes Staindl dar, Pfarrer in Tegernheim seit 1566. An der Außenmauer finden sich weitere Gedenksteine, darunter der Grabstein für Pfarrer Sebald Veissenburger von 1546 mit einem Relief des auf seine Wunden weisenden Heilands.

901 erste Erwähnung von Tegernheim in den Emmeramer Traditionen
1225 Pfarrer Gotfridwird genannt
1422 Die Pfarrei wird dem Reichsstift Obermünster inkorporiert
1693 Hochaltarweihe durch Weihbischof Graf von Wartenberg
1762 Neuer Dachstuhl und Deckenfresko von Otto Gebhard
1944 Am 9. Dezember schwerer Luftangriff auf Tegemheim
1953 Erweiterung der Kirche nach Westen
1970 Pfarrhof und Pfarrheim eingeweiht
1970/75 Sanierung der Kirche
1992/93 Gesamtrestaurierung


 
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